Archiv für April 2011

PostHeaderIcon Wäschespinnen

Meine Oma hat mitten im Garten ein Loch im Rasen, das uns als Kinder magisch angezogen hat, um darin rumzuporkeln oder etwas zu verstecken. Sie hat dann immer gesagt, wir sollen es lassen, es sei für die Wäschespinne. Das fand ich ekelig, weil ich Spinnen sowieso nicht mag. Erst viel später habe ich verstanden, was Wäschespinnen sind. Mit ihrer Konstruktion erinnern sie mich eher an einen riesigen Regenschirm, nur dass kein Tuch gespannt wird, sondern Wäscheleinen. Das Ungetüm lässt sich wie ein Karussell drehen, was Kinder gerne tun, aber meist für Ärger sorgt.

Ein Schweizer hat sie erfunden. Wer sonst? Walter Steiner aus Winterthur meldete 1947 das Patent für die Wäschespinne aus Holz mit Hanfseilen an und gründete die Firma STEWI (Steiner-Winterthur). In der Schweiz heißt dieses Gerät bis heute Stewi. Der Firmengründer wollte der Hausfrau die Arbeit so einfach wie möglich machen. Vielleicht kam ihm die Idee, weil Wäscheleinen ziehen im Bergland schwieriger ist als im Flachland. Heute wird die Firma von einem der drei Söhne geleitet und die Wäschespinne wird immer noch erfolgreich hergestellt. Eine neuartige Spannvorrichtung sorgt für straff gespannte Wäscheleinen. Beim Schließen werden die Leinen automatisch in die Arme eingezogen und hängen nicht schlaff herum. Die Länge der reißfesten Leinen aus Polyester beträgt insgesamt 60 Meter. Genug, um viel Wäsche daran aufzuhängen. Die Sternteile und Seilschutzklappen sind aus Aluminium hergestellt. Um einen festen Stand zu gewährleisten, gibt es verschiedene Möglichkeiten: eine Bodenhülse zum Einbetonieren, ein Bodenfundament zum einschlagen in die Wiese, einen viereckigen oder runden Terrassensockel aus Granit. Eine Schutzhülle für das Ganze Modell wird mitgeliefert.

Alles in Allem eine gute Erfindung, die bis heute ihre Berechtigung hat. Aus ökologischer Sicht eine Investition in die Zukunft, die den elektrischen Trockenautomaten im Sommer überflüssig macht.

PostHeaderIcon Tomaten

Tomaten aus dem eigenen Garten sind eine Köstlichkeit. Sie schmecken wirklich nach Tomate und sind nicht mit den wässrigen roten Kugeln aus dem Supermarkt zu vergleichen. Im Feinkostgeschäft oder auf dem Wochenmarkt werden auch schmackhafte Tomaten angeboten, sie sind aber ziemlich teuer. Also versuchen wir es mit unserer eigenen Zucht. Das Aussäen von Samen bis zum Auskeimen braucht Geduld. Schneller geht es, wenn junge Pflanzen eingesetzt werden. Im Mai können sie in Kübeln raus an die Sonne, damit sie sich an die Außentemperatur gewöhnen. Nach den Eisheiligen ist dann Pflanzzeit. Ein sonniger Platz mit guter Luftzirkulation ist der richtige Standort. Tomatenpflanzen werden riesig groß, deshalb sollten sie nicht zu eng beieinander stehen. Empfehlenswert ist ein Abstand von 60 Zentimetern. Das Befestigen an einem Holzstab verhindert das Umknicken der Pflanze. Da die Früchte viel Kraft zum Wachsen benötigen, ist es ratsam, die weichen Nebentriebe regelmäßig abzuknicken. Sie sind Krafträuber. Gelbe oder vertrocknete Blätter werden ebenfalls entfernt. Wenn sich zum Ende des Sommers noch einmal Blüten bilden, sollten auch sie abgenommen werden um Energie für die Früchte einzusparen. In der laufenden Saison werden keine Tomaten mehr daraus.

Alle zwei Wochen wird zur Stärkung ein Tomatendünger aus dem Fachhandel oder ein selbst hergestellter Brennnesselsud ausgebracht. Ein sonnenreicher Sommer verspricht eine gute Ernte, viel Regen lässt die prallen Kugeln platzen. Den besten Schutz bieten kleine Gewächshäuser oder selbst angefertigte Überdachungen. Aber auch auf dem überdachten Balkon lassen sich erstklassige Tomaten ziehen. Im Prinzip sind die gleichen Vorgaben zu erfüllen wie draußen im Garten, nur dass sie sich in großen Kübeln befinden. Der beste Zeitpunkt zum Gießen ist morgens. Die Blätter dürfen aber nicht nass werden, sonst faulen sie. Der gute Geruch der Tomatenpflanze gibt einen Vorgeschmack auf das, was noch kommen wird. Spätestens beim ersten Biss in die selbst gezogenen Früchte zeigt sich, dass sich der Aufwand gelohnt hat.

PostHeaderIcon Schrebergärten

Jeder kennt Schrebergärten, aber warum sie so heißen, ist kaum bekannt. Sie sind nach Moritz Schreber benannt, einem Arzt und Hochschullehrer aus Leipzig. Zur Zeit der Industrialisierung im 19ten Jahrhundert förderte er die Bewegung von Kindern und Jugendlichen an der frischen Luft und die Arbeit im Garten. Ernst Hauschild gründete 1864 im Sinne des bereits verstorbenen Schrebers den ersten „Schreberverein“ Zur Zeit ihrer Gründung hatten die Vereine neben der Versorgungsfunktion die Aufgabe,  Familien aus ihren Mietskasernen heraus zu holen, um sich draußen körperlich zu betätigen und sich zu erholen. Überall entstanden Kleingartensiedlungen in denen der Traum vom eigenen Haus mit Garten verwirklicht werden konnte.

Der Erfolg ist bis heute ungebrochen. In Berlin gibt es über 70.000 Kleingärten, in Hamburg 36.000. Regeln ordnen das Leben in einer solchen Anlage. Obst- und Gemüseanbau ist Pflicht, die Größe des Gartenhäuschens ist vorgeschrieben. Um eine Mitgliedschaft im Kleingartenverein muss sich beworben werden. Wer sie einmal hat, gibt sie an die nächste Generation weiter. Es gab eine Zeit, in der Schrebergärten ein miefiges Image hatten. Mittlerweile sind sie attraktiv für junge Familien in der Stadt, die sich kein eigenes Haus leisten können, aber auf einen Garten nicht verzichten möchten. In manchen Städten finden sich  Kleingartenanlagen mit dem Schwerpunkt Öko, Kultur oder Multi-Kulti.

Das Bundeskleingartengesetz schreibt die Höhe der Pacht vor: ca. 40 Cent pro Quadratmeter im Jahr. Eine Parzelle darf bis zu 400 Quadratmeter groß sein. Das macht erschwingliche 160 Euro im Jahr. Wertgutachter der Kleingartenvereine bestimmen je nach guter Pflege die Ablösesumme des Gartens. Diese kann zwischen 1.000 und 5.000 Euro liegen. Strom, Versicherung und die An- und Abfahrtkosten müssen mit einkalkuliert werden.

Der Nutzen eines Schrebergartens besteht nicht nur in der Ernte von Obst und Gemüse, die sozialen Kontakte sind unbezahlbar. Neben dem Gespräch mit dem Nachbarn finden gemeinsame Feiern statt und es werden Freundschaften oder Verbindungen fürs Leben geschlossen.

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